Das Kloster Ettal
wurde am 28. April 1330 von
Kaiser Ludwig IV, dem Bayern,
gegründet. Die Geschichte der
Bierherstellung beginnt freilich
erst viel später.
Im 15. und 16.
Jahrhundert hatte das
Kloster eine Brauerei im
nahegelegenen Oberammergau.
1609 ließ Abt Leonhard Hilpolt
(1590-1615) die Ettalische
Brauerei in Oberammergau nach
Ettal transferieren und in den
nach den Plänen des Bierbrauers
M. Caspar Helffenrieder aus
Schongau errichteten neuen
Brauereigebäude inmitten der
Klosteranlage errichten.
Rechnungen aus dieser Zeit
belegen auch, daß neben dem Bier
schon um 1609 der Ettaler
Klosterliqueur von den Mönchen
der Abtei hergestellt wurde.
Zudem geht aus den Rechnungen
hervor, daß damals in der Nähe
von Murnau Hopfen angebaut
wurde. Die bedeutsamste Urkunde
für die Klosterbrauerei Ettal
stellt die „Bier Concession
und Bestätigung durch den drchlg.
Fürsten Maximilian Pfalzgraf bei
Rhein, Herzog in Ober und
Niederbayern, dem Kloster Ettal
beschehen“ dar. Sie wurde
dem Kloster am 11. April 1618
ausgestellt und begründet
offiziell das Recht zur
Herstellung und zum Vertrieb des
Bieres.
Waren die
Einnahmen aus dem Verkauf von
Bier anfangs noch recht
bescheiden, so entwickelte sich
die Brauerei doch recht bald so
gut, daß bereits unter Abt
Benedikt II. Eckart
(1668-1675) ein neues
Brauereigebäude notwendig wurde.
Bereits 50 Jahre später, nämlich
am 10. 06. 1708, ist
wieder von einem Neubau die
Rede. An diesem Tag legte Abt
Romuald den „ersten Stein“ für
eine neue Brauerei. Ein Jahr
später, am 2. August 1709 „hat
man bei unserem Preihaus den
Fürstenbaum unter trompeten und
Paukenschall aufgesteckt“ und am
6. November des gleichen Jahres
mit dem Biersieden begonnen.
Mit
der Säkularisation von 1803
war auch das Ende des alten
Klosters Ettal gekommen. Aus den
Aufzeichnungen der für die
Aufhebung zuständigen
Lokalkommission geht aber
hervor, daß die Klosterbrauerei
nicht geschlossen werden sollte.
Sie wurde zunächst auf
Staatskosten weiterbetrieben und
zusammen mit den Klostergebäuden
am 26. 12. 1809 an den
Generalpostdirektionsrat
Josef von Elbling zum Preis
von 38.000 fl. verkauft.
Als Verwalter für
das Bräuhaus und das Ökonomiegut
setzte Josef von Elbling den
Ettaler Benediktinerpater
Othmar Weis OSB ein, der
diese Aufgabe bis 1812 versah.
Die älteste
Tochter von Josef von Elbling,
Franziska, war mit einem Herrn
von Bauer-Breitenfeld
verheiratet. Nach dem Tod Josefs
von Elbling fiel im Jahre
1818 auf diesen und seinen
Sohn August das Bräuhaus und
Ökonomiegut zu Ettal. Im
Verzeichnis der oberbayerischen
Brauereien aus der Mitte des
19. Jahrhunderts wird
Bauer-Breitenfeld als Bräu von
Ettal angegeben.
Schon im Jahre
1853 aber trug sich August
Baur-Breitenfeld mit dem
Gedanken, seinen Ettaler Besitz
zu veräußern. 1856 schließlich
veräußerte er das Klostergut an
die gräfliche Familie von
Pappenheim.
Unter der Leitung
des Grafen Ludwig von
Pappenheim wurden
wesentliche Umbauten in der
Brauerei vorgenommen.
In dem Trakt
zwischen dem Bräuhaus und dem
Sakristeigebäude, dem sog.
„kleinen Klösterl“, wurde eine
Faßhalle errichtet
und das Gebäude zur Anlage
eines Bierkellers unterminiert.
Ferner errichtete er eine
größere Malzdarre
mit hohem Kamin.
Die
Schäfflerei befand sich
im heutigen „Maria-Stern-Trakt“.
An die Schäfflerei schloß sich
das von Graf Maximilian von
Pappenheim neu eingerichtete und
mit allerlei Zeichnungen
geschmückte, berühmte
Bräustüberl an.
Am 5. 11. 1898
erwarb das Klostergut
schließlich Reichsrat Baron
Theodor v. Cramer-Klett, der
es durch Kaufvertrag vom 4. 11.
1899 der Abtei Scheyern
unter Abt Rupert III.
Metzenleitner käuflich
überließ und dadurch die
Wiederbegründung Ettals als
Kloster ermöglichte.
In Vorbereitung
der Wiederbegründung des
Klosters holte man auch
Auskünfte über die
wirtschaftlichen Verhältnisse
des Klostergutes ein. Vom 30.
10. 1898 datiert das
Schriftstück des ehemaligen
fürstlichen Rentamtmanns
Drexl in Babenhausen.
Drexl beschrieb
auf Veranlassung von Pfarrer
Daiser von Ettal dem Prior des
Klosters Scheyern die
wirtschaftlichen Verhältnisse
des Klostergutes. Im 2.
Abschnitt seines Schreibens geht
er auf die Brauerei ein:
„Zu meiner Zeit
war die Brauerei noch im
blühendem Betrieb. Der Absud
betrug dortmals circa 2.700
Hektoliter Malz. Zufolge stetem
schlechten Bieres soll aber der
Absud bedeutend gesunken sein.
Dies ist zwar sehr andauernd
doch nicht unersetzbar. Käme das
Gut in rührige Hände, würde der
Braumeisterposten sofort durch
eine tüchtige Braukraft ersetzt,
dann wäre meines Erachtens in
einigen Jahren die geschlagene
Scharte wieder ausgewetzt. Die
Brauerei in Ettal war stets sehr
rentabel. Die Wirthe in der
Gebirgsgegend haben noch nicht
den großen Wirthsnutzen, wie im
Flachlande. Der größte Vortheil
liegt aber darin, daß die
Gebirgsbrauereien nicht
gezwungen sind von den
Bierabnehmern theure schlechte
Gerste zu erkaufen wie dies im
Flachlande der Fall ist. Falls
die Brauerei wieder auf 3.000
Hektoliter Malzabsud gehoben
werden kann dürften unter sonst
normalen Verhältnissen 12.000
Jahresrente garantiert werden
können.“
Nach der
Wiederbegründung des Klosters
am 6. August 1900 ging
die Brauerei wieder in den
Besitz des Klosters über und die
Mönche zeichneten von diesem
Zeitpunkt an wieder für die
wirtschaftlichen Geschicke der
Brauerei verantwortlich.
Die Brauerei
wurde grundlegend saniert und
auf den technischen Stand der
Zeit gebracht. Mit Frater
Canisius Harthauser OSB erhielt
die Klosterbrauerei einen Mönch
als Braumeister, der es
verstand, ein hervorragendes
Bier zu brauen und neue Kunden
für die Klosterbrauerei zu
gewinnen, so daß schon bald nach
der Wiederbegründung des
Klosters die Brauerei zu einem
wichtigen Wirtschaftsfaktor des
Klosters wurde.
In den 90er
Jahren wurde die Brauerei
grundlegend erneuert und
technisch wieder auf den Stand
der Zeit gebracht. Zugleich
begannen die Mönche ihre
Klosterbiere auch in einem
größeren Umfange zu vertreiben.
So konnten Absatzstellen in
Helsinki, Frankreich und Italien
gewonnen werden. Ebenso erfolgte
aufgrund steigender Nachfrage
die Zusammenarbeit mit
nationalen Verlegern.